1. Warum werden wir dick?


Wissenschaftlich gesehen ist Übergewicht von vielen Faktoren abhängig. Der Einfluss der Erbanlagen ist dabei unumstritten. Ihr Anteil an der Übergewichtsentstehung wird kontrovers diskutiert und gegenwärtig in Richtung 60 bis 70 Prozent angegeben. In wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass Übergewicht innerhalb Familien gehäuft vorkommt. Das Risiko von Kindern übergewichtiger Eltern später selbst übergewichtig zu werden, ist um ein Mehrfaches erhöht als das von Kindern schlanker Eltern. Für nahezu alle Aspekte der Ernährung, des Stoffwechsels aber auch der Vorlieben und des Verhaltens im Zusammenhang mit Essen und körperlicher Betätigung wurden genetische Zusammenhänge festgestellt. Vermutlich greifen rund 130 Erbanlagen wie Zahnräder ineinander und verpassen jedem Menschen sein Format.

Übergewicht aber ist kein unabwendbares Schicksal, ob es nun genetisch veranlagt oder aber anerzogen ist. Wir haben es in der Hand, unser Verhalten den jeweiligen Umweltbedingungen anzupassen und damit auch in der heutigen Zeit schlank, gesund sowie leistungsfähig zu bleiben. Warum aber müssen wir hierfür (hart) arbeiten?

Gene, die für unsere Urahnen Lebensretter während Hungersnöten waren und heute noch immer höchst effizient die Energie- beziehungsweise Fettspeicherung begünstigen, können ihr gesamtes Potential im Wohlstand und Überfluss bestens entfalten. Denn die biologische Veranlagung sucht sich ihren Weg. Und das biologisch bestimmte Körpermaß wird eifrig verteidigt. Während es in der Evolution hieß: "Iss möglichst viel, energiedichte, fettreiche und süße Nahrung, wann immer du kannst" (also immer, wenn diese Nahrung verfügbar war), müssen wir im heutigen Schlaraffenland den Überlebensregeln des Bauches mit Vernunft – das heißt mit dem Kopf – gegensteuern: "Nicht zu viel, nicht ständig zwischendurch, weniger konzentrierte Energie!" Jeder Übergewichtige kennt solche klugen Ratschläge, die sein Essverhalten zügeln sollen, während der Steinzeitmensch nach der Devise leben musste: "Suche, finde und esse".

Während sich unsere Urahnen also ziemlich anstrengen mussten um satt zu werden, plagen uns ganz andere Sorgen: Es fehlt uns schlicht und einfach die notwendige Bewegung und körperliche Aktivität in Alltag, Beruf und Freizeit, um alle Segnungen der neuzeitlichen Speisekammer voll auskosten zu können. Weil wir (zu) viel haben, müssen wir dosieren.

Wir empfehlen Ihnen daher, die Energiebilanz von beiden Seiten anzugehen. Die simple Formel FdH ("Friss die Hälfte") beziehungsweise mehr oder weniger ständiges Diäthalten wird Ihnen auf Dauer nicht den erhofften Erfolg bringen. Auch wenn Sie vielleicht einen etwas "vorzeitlichen" Stoffwechsel (mit Sparsamkeitsgen) haben sollten, können Sie durchaus die kulinarischen Vorzüge unserer Zeit genießen, wenn Sie mit vermehrter körperlicher Aktivität den Stoffwechselunterschied zwischen "gutem" und "schlechtem" Futterverwerter verkleinern.


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