„Diabetes? Das war einmal!“

Markus Linke (44)
2. Coesfelder Gruppe (Start: 15.03.2011)
  Wie Markus Linke der drohenden Spritze mit dem M.O.B.I.L.I.S.-Programm die rote Karte gezeigt hat.
  Markus Linke kann sich noch gut an seine 4XL-Zeit erinnern. "Ich bin zu Fuß in die Stadt und stand nass geschwitzt beim Metzger", erzählt er. Und an die langen Wege auf dem Londoner Flughafen Heathrow denkt er zurück. "Ich kam bei einem Umstieg so außer Atem am Flieger an, dass eine Security-Frau dachte, ich sei schwer krank." 143 kg hat der 44-jährige IT-Berater damals gewogen. Damals. Das klingt nach lange her. Dabei liegt es erst ein gutes Jahr zurück, dass sein Arzt Dr. Andreas Nemec dem Diabetiker aus Coesfeld eröffnete, dass seine Werte sich so verschlechtert hätten, dass er wohl bald werde spritzen müssen. Da hat es bei ihm "irgendwie klick gemacht" im Kopf. Spritzen? "Das wollte ich nicht." Sein Arzt empfahl ihm das Mobilis-Programm, bei dem die Teilnehmer mit Unterstützung von Medizinern, Psychologen, Ernährungs- und Sportwissenschaftlern lernen, eine neue Balance in ihrem Leben zu finden. Nicht mit einer kurzfristigen Diät, sondern mit einer langfristig angelegten Umstellung des Lebensstils.
Der Anfang, so Linke, sei ihm und den anderen Mitgliedern der mittlerweile schon zweiten Coesfelder M.O.B.I.L.I.S.-Gruppe gar nicht so leicht gefallen. "Wie eine Elefantenherde sind wir hinter Sportlehrer Bernd Bohmert her gelaufen", schildert er die ersten Schritte. "Ich dachte, ich sterbe, wenn das so weiter geht." Aber von Mal zu Mal wurde es besser bei den wöchentlichen Sport-Treffs, die durch psychologisch begleitete Gruppensitzungen und ein Ernährungs-Coaching ergänzt wurden. Irgendwann konnte er ohne zu schnaufen wieder die zweigeschossige Treppe an seiner Arbeitsstelle hinaufsteigen. Ein erster Erfolg. Die Pfunde purzelten. "Und das motiviert." In der Gruppe habe man sich gegenseitig unterstützt.
Diplom-Sportlehrer Bernd Bohmert (links) ist stolz auf die Erfolge seines Schützlings: Markus Linke (44) hat Sport, hier im Fitnessstudio des DJK-VBRS-Gesundheitszentrums "Mobile" in Coesfeld, zu seinem neuen Hobby gemacht.
(Foto: Detlef Scherle)
  Heute wiegt Linke nur noch 96 Kilogramm. Er muss nicht mehr nach Essen in Spezialgeschäfte fahren, um seine Garderobe zu kaufen, sondern kann jetzt ganz normal in der Coesfelder City shoppen gehen. "Das ist ein Drittel günstiger."
  Und Sport? Früher gehasst und gemieden, gehört er heute zu seinem Alltag. "Ich fahre Rad", erzählt er. Neben den Trainingseinheiten in der Gruppe geht er auch noch privat "nordic walken" und besucht ein Fittnesstudio. Diplom-Sportlehrer Bernd Bohmert, der sonst Leistungssportler trainiert, ist mehr als stolz auf seinen "Musterschüler" und entdeckt durchaus Paralellen zwischen den "M.O.B.I.L.I.S."-Teilnehmern und seiner anderen Klientel: "Beide haben ein festes Ziel vor Augen und eine hohe Grundmotivation." Er versteht sich im besten Sinne als deren Förderer und Forderer. Und der Spaß als Grundvoraussetzung, das bestätigt Linke, ist bei seinem Training auch nicht zu kurz gekommen. Da jagt ein Witz den nächsten zwischen Sit-Ups und Ballspielen.
  Am meisten Freude aber machen ihm die Resultate der jüngsten Untersuchungen seines Arztes: "Ich bin jetzt quasi kein Diabetiker mehr", sagt Linke. Die Tabletten hätten peu a peu minimiert werden können - auf ein Sechzehntel der bisherigen Dosis. Sein Blutdruck sei jetzt bei 120 zu 65. Bärenstark. Die Gruppe endet bald. Aber für Linke geht`s auf jeden Fall weiter. Sein neues Leben hat ja gerade erst begonnen. Und er genießt darin auch die verblüfften Kommentare beim Metzger: "Was haben Sie denn gemacht.? ..."

 

Know-how statt teurer Pillen | Kommentar von Detlef Scherle

Das M.O.B.I.L.I.S.-Programm hebt sich wohltuend ab von all den „Vier-Kilo-in-zwei-Wochen“-Versprechungen, die gerade jetzt zu Jahresanfang wieder viele bunte Gazetten füllen. Kurzfristige Erfolge beim Abnehmen erzielen – das kann jeder. Der nachhaltige Effekt, und genau auf den zielt M.O.B.I.L.I.S. ab, ist aber für ein gesundes Leben entscheidend. Eine Geheim-Formel steckt nicht dahinter. Auch frühere „Mobilisten“ sind vor Krisen und Rückfällen nicht gefeit. Der Unterschied zum herkömmlichen Jojo-Effekt ist aber, dass sie einen virtuellen „Koffer“ mit den richtigen „Werkzeugen“ im Hinterkopf haben, der ihnen in schwierigen Situationen helfen kann, wieder zurück in die Spur zu finden. Der Nachhaltigkeitsfaktor ist es, der das Programm auch für Krankenkassen interessant macht, weil es langfristig Kosten spart. Statt teurer Pillen und Therapien wird auf Know-how und die Eigenverantwortung der Menschen gesetzt.



  Beitrag: Coesfelder Allgemeine Zeitung vom 21.01.2012
Autor: Detlef Scherle

M.O.B.I.L.I.S. dankt der "Coesfelder Allgemeine Zeitung"-Redaktion für die freundliche Überlassung der Teilnehmer-Geschichte.
  Veröffentlichung auf Homepage: 24.01.2012
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